Mittwoch, 1. April 2015

Sie sprechen aber gut Deutsch!

Wie gerne würde ich das öfter zu unseren deutschen Mitbürgern sagen. Aber "einzigstes" Hindernis dabei ist unter anderem diese unmögliche Steigerung. Von dem Genitiv ganz zu schweigen, den kaum ein Eingeborener korrekt verwendet und stattdessen lieber vom Dativ Gebrauch macht. Da hat im übrigen der Duden bereits aufgegeben und erlaubt den Gebrauch des Dativs an Stellen, an denen der Genitiv angezeigt ist.

"Geh nie tief ins Wasser, weil es da tief ist"

Nun gut, ich will mich besser nicht zu weit aus dem Fenster hängen oder zu tief in diesen Grammatik-Sumpf einsteigen, sonst wird klar, dass ich zwar glaube Hochdeutsch zu sprechen, es aber gar nicht tue. Denn ich ging irgendwo in Westfalen zur Schule und das färbt ab oder färbt ein oder bleibt eben nicht aus beim Zweitsprachenerwerb.

Habe gerade bei Bastian Sick nachgelesen und festgestellt, dass "wegen dir" wohl völlig falsch ist - was ich immer benutze und es richtig "deinetwegen" heißen müsste. Welcher Muttersprachler weiß das? "Das macht ja einen Muttersprachler aus, dass er keine Ahnung haben muss von der Grammatik seiner Muttersprache und sie dennoch irgendwie zur Verständigung nutzen kann." Kann ich diese Ausrede ebenfalls benutzen, obwohl Deutsch meine Zweitsprache und keinesfalls Muttersprache ist? Und wie soll ich erklären, dass ich Deutsch wesentlich besser beherrsche als meine Erstsprache?

Wir sind in Deutschland - wir sprechen gebrochen Deutsch


Aber meine Lieben, ich meine damit nicht uns - die Kinder mit Migrationshintergrund. Ich rede von den deutschen Kindern, deren Eltern und Großeltern schon immer Deutsch waren, hier schon immer gelebt haben und schon immer Deutsch gesprochen haben.

Ich spreche Deutsch ohne Akzent - also ohne ausländischen Akzent jedenfalls. Mein Wortschatz ist umfangreich, zu fast jedem Thema fällt mir ein deutsches Kinderlied oder Gedicht ein, dass ich singen oder aufsagen kann, ich lese und begreife deutsche Texte und verfasse gerade sogar einen, der durchaus lesbar sein dürfte und das obwohl ich in den ersten sieben bis acht Jahren meines Lebens eine andere Sprache sprach und sogar eine andere Schrift benutzte.

Zurück zum Anfang: Wie also kommt es, dass obwohl meine Eltern niemals, NIE mit mir Deutsch gesprochen haben und wir zu Hause ausschließlich Ausländisch miteinander parlierten, mein Deutsch nun besser sein dürfte als das vieler meiner Altersgenossen?

Wie kommt es, dass Lehrer heutzutage beklagen, die deutschen Kinder in ihren Schulklassen beherrschen das Deutsche zunehmend schlechter? Das schieben sie übrigens gerne auf die zunehmende Zahl der Migrantenkinder in den Schulen.

Traurig dabei ist: Die Migrantenkinder erschließen sich - so wie ich - das Deutsche und sprechen es ziemlich gut, akzentfrei und eloquent ohne dabei ihre Muttersprache völlig zu vergessen und die Deutschen verlernen ihre eigene Sprache (?), erlernen zugleich aber keine der Sprachen, die die fremden Schülerinnen und Schüler mitbringen.

Stattdessen verlangt ein Außenminister a.D., ich meine Guido Westerwelle von Journalisten, sie mögen doch Deutsch sprechen, weil wir sind in Deutschland.

mIb, April April 2015